Auf das therapeutische Handeln kommt es an…

Die therapeutische Haltung ist ein im psychosozialen Bereich weit verbreitetes Konzept (nicht nur in der Psychotherapie, sondern beispielsweise auch bei Ergo- und Physiotherapeuten). Viele ärztliche und psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten schätzen sie als bedeutsames Merkmal ein und vermuten Auswirkungen der Haltung auf die Qualität des psychotherapeutischen Angebots sowie die Entwicklung einer psychothe­rapeutischen Identität.

Vielleicht haben Sie sich bereits mit den Therapie- und Wirkfaktoren im Bereich der Psychotherapie beschäftigt? Es lohnt sich, hier auch ein wenig zu verweilen. Denn das ist es ja, was die Psychotherapie effektiv und wirksam macht. Natürlich beschäftigen Sie sich im Rahmen der Prüfungsvorbereitung in erster Linie mit den prüfungsrelevanten Themen. Evtl. geben Ihnen die weiteren Themen, die Psychotherapie beschreiben, einen sicheren Rahmen, um die Überprüfung anzutreten und nach bestandener Prüfung eine eigene Praxis zu eröffnen.


Zentrales Merkmal effektiver Psychotherapie

→ Die therapeutische Grundhaltung!

Sie ist ein (Qualitäts-) Merkmal des Therapeuten. Es handelt sich um grundlegende therapeutische Einstellungen, Denk- und Verhaltensweisen. Diese wurden durch persönliche, therapiespezifische und ethische Werte, Zielvorstellungen sowie theoretische Grundannahmen geformt. Die psychotherapeutische Grundhaltung hat eine Wirkung auf:

  • den Patienten/ Klienten
  • den Therapeuten
  • den psychotherapeutischen Prozess

Grundbedingungen auf Therapieseite nach Carl Ransom Rogers

Die Klientenzentrierte (non-direktive) Gesprächspsychotherapie ist ein Psychotherapieverfahren der humanistischen Psychotherapie, das von Carl Rogers Anfang der 1940er-Jahre entwickelt wurde. Diese Therapieform beruht auf einer mitfühlenden, verständnisvollen Beziehung zwischen Therapeut und Patient. Der Patient wird als gleichberechtigter, kompetenter Partner betrachtet, mit dem gemeinsam (auf Augenhöhe) versucht wird, sein Erleben zu verstehen.

Die Gesprächspsychotherapie beschreibt drei therapeutische Basisvariablen:

→ Empathie. Kongruenz. Wertschätzung. (Merkspruch: «Emil kommt weiter!»)

  • Empathie: → Versuch des Therapeuten, die Aussagen, Verhaltensweisen oder Empfindungen des Patienten zu erkennen und nachzuvollziehen. Die klinische Empathie bezeichnet die ausgebildete, reflektierte Fähigkeit für einfühlendes Verstehen. Sie ist die Grundlage für eine tragfähige therapeutische Beziehung.
  • Kongruenz: → Damit wird die Deckungsgleichheit bezeichnet und meint in der Gesprächspsychotherapie eine Eigenschaft des Therapeuten. Dieser tritt dem Patienten gegenüber als authentische, echte Person auf. Es besteht eine Übereinstimmung von Gefühl und Ausdruck beim Therapeuten.
  • Wertschätzung: → Bedingungsfreie Anerkennung, Achtung und Würdigung eines Menschen in dessen individueller Eigenart. Sie findet Ausdruck in Respekt gegenüber einem Menschen. Wertschätzung der eigenen Person beinhaltet das Bedürfnis nach Selbstanerkennung und Selbstwertschätzung. Beide Formen sind wesentliche Bedürfnisse eines jeden Individuums. Wertschätzung bildet die therapeutische Grundhaltung.

Sichtweisen der verschiedenen Strömungen der Psychologie

Psychodynamische Sichtweise: → Es geht v. a. um gleichschwebende Aufmerksamkeit (nichtselektives Zuhören des Therapeuten, bei dem alles Gehörte zunächst gleich zu gewichten ist sowie Vorerwartungen, Theorien und vorschnelle Urteile suspendiert werden sollen) und die Abstinenzregel (Pflicht des Therapeuten, die Beziehungen zu Patienten und deren Bezugspersonen [bei Kindern und Jugendlichen insbesondere Eltern u. a. Sorgeberechtigte] professionell zu gestalten und nicht zur Befriedigung eigener Interessen und Bedürfnisse zu missbrauchen).

Lerntheoretische Sichtweise:Verhalten ist erlernt und kann auch wieder verlernt/ umgelernt werden. Sie wirkt je nach Ansatz (z. B. ist bei der DBT [dialektisch-behaviorale Therapie nach Linehan] eine Mischung aus Engagement, Durchhaltevermögen und Demut erfolgreich).

Humanistische Sichtweise: → Die Aspekte der klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie nach Rogers sind Empathie, Kongruenz, Wertschätzung. Sie werden oft als therapeutische Grundhaltung bezeichnet. Der Mensch steht hier im Mittelpunkt.

Systemische Sichtweise:Allparteilichkeit (der Versuch, die Standpunkte, Sichtweisen und Interessen der einzelnen Beteiligten gleichrangig zu betrachten), Ressourcen (Gesamtheit aller gesundheitsförderlichen bzw. protektiven persönlichen und sozialen, körperlichen und psychischen Reserven, Fähigkeiten und Grundhaltungen, welche die Bewältigung von Belastungen erleichtern) und Patienten-/ Klientenorientierung (Fokussierung im Entscheiden und Handeln auf die Bedürfnisse und Interessen des Patienten) stehen im Vordergrund.


Erfolgreiche Psychotherapie

Patient und Therapeut können gemeinsam zu einer gelungenen Psychotherapie beitragen. Der Erfolg von Psychotherapie beruht einerseits auf dem Mitwirken des Patienten, zu großen Teilen aber auch auf der Person/ Haltung des Therapeuten. Ein respektvoller Umgang gehört dazu.


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