Antriebs- & psychomotorische Störungen (Veränderungen vom Aktivitätsniveau)

Antrieb: Treibende innere Kraft (Energie, Initiative, Anteilnahme) als Voraussetzung psychischer und physischer Leistungen. Antrieb ist erkennbar am Aktivitätsniveau einer Person und der Psychomotorik.

Psychomotorik: Durch die Psyche beeinflusstes Bewegungs- und Ausdrucksverhalten. Psychische Vorgänge haben Einfluss auf die Wahrnehmung und Reizverarbeitung, den Antrieb und die Affekte sowie die Bewegung (Motorik).

  • Antriebsarmut:Mangel an Energie, Initiative, Anteilnahme («die Luft ist raus …»)
  • Antriebshemmung:gebremste Energie, Initiative, Anteilnahme («bin wie blockiert…»)
  • Antriebssteigerung:Zunahme an Energie, Initiative, Anteilnahme («tschakka!!!»)
  • Motorische Unruhe:Gesteigerte motorische Aktivität, die nicht zielgerichtet ist. Patient kann nicht auf dem Stuhl sitzen bleiben, muss aufstehen, auf- und ablaufen bis zur Tobsucht. Auch ein Raptus ist möglich (plötzlicher Erregungssturm/ «Kurzschluss»)!
  • Parakinesen:Abnorme, meist komplexe Bewegungen, die v. a. Gestik, Mimik und Sprache betreffen. Es treten Störungen der Muskelkoordination auf, die zu irregulären Bewegungsabläufen führen.
    • Stereotypien:Bewegungen, Haltungen, Handlungen oder verbale Äußerungen, die häufig über lange Zeit und in immer gleicher Weise (ohne einen der Situation angemessenen Sinn) wiederholt bzw. beibehalten
      • Verbigerationen (Wortstereotypien)
      • Katalepsie (Haltungsstereotypien)
      • Echolalie (alles Gehörte oder Gesehene wird nachgesprochen)
      • Echopraxie (alles Gehörte oder Gesehene wird nachgemacht)
      • Flexibilitas cerea (wächserne Biegsamkeit)
      • automatenhaftes Lachen Beispiel: bei Stirnhirnsyndromen
    • Befehlsautomatismen: → Patient führt auf entsprechenden Reiz automatisch Handlungen aus.
    • Negativismus: → Sperrung gegen alle von außen herbeigeführten Bewegungen. Verweigern oder aktives Entgegenhalten (basierend auf innerem Widerstand). Beispiel: bei katatoner Schizophrenie
      • Passiver Negativismus → Patient macht nicht das, was man von ihm verlangt bzw. nichts (sperrt sich).
      • Aktiver Negativismus → Patient macht genau das Gegenteil.
    • Manieriertheit/Manierismen: → Alltägliche Bewegungen und Handlungen des Patienten erscheinen bizarr und verschnörkelt («gekünstelt»).
    • Theatralismus: → Patient erweckt den Eindruck, als würde er sich selbst darstellen/ schauspielern die Situation dramatisieren.
    • Mutismus: → Wortkargheit bis hin zum Nichtsprechen bei intakten Sprechorganen und Sprachfähigkeit («psychogenes Schweigen»).
    • Logorrhö: → Antriebssteigerung mit starkem, häufig unstillbarem Rededrang («Rede-Durchfall») und Verlust der Selbstkontrolle über die eigene Sprachproduktion. Häufig mit Ideenflucht einhergehend.

Anmerkung:

Folgende Begriffe sollten Sie ebenfalls schon einmal gehört haben:

  • Agitation: → Starke innere Unruhe mit gesteigertem Bewegungsdrang («Rastlosigkeit»). Zustand, bei dem affektive Erregung unkontrolliert in Bewegung umgesetzt wird. Dazu gehören ein Zittern und das Gefühl des Getriebenseins.
    • Beispiele: bei agitierter Depression, Delir, Katatonie, Angststörungen
  • Stupor: → Motorische Bewegungslosigkeit mit deutlich reduzierter oder aufgehobener psychomotorischer Aktivität («Erstarrung», äußerlich bewegungslos und innen stark angespannt!). Schlafstörungen oder eine quantitative Bewusstseinsstörung liegen nicht vor.
    • Beispiele: Katatonie, psycho­tische Depressi­on, Epilepsie, In­toxikati­on, drogen­in­duziert (z. B. durch Halluzino­gene), dis­soziati­ve Störung (z. B. im bei ei­ner akuten posttraumatischen Re­ak­ti­on), or­ganische Erkrankungen des ZNS (z. B. bei Enzephalitis), metaboli­sche Ent­glei­sun­gen (Stoffwechselstörungen)